Fahrverbot in der Probezeit

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Führerschein auf Probe gemäß § 2a Straßenverkehrsgesetz (StVG)

Nach der Führerscheinprüfung beginnt die Probezeit.

Nach der Führerscheinprüfung beginnt die Probezeit.

Wurde im Rahmen der Fahrschule die Theorie- und Praxisprüfung bestanden, haben die Prüfer die freudige Aufgabe, den Führerschein zu überreichen. Dies ist in der Regel ein sehr fröhlicher Moment, bedeutet doch die Fahrerlaubnis für viele Unabhängigkeit, Mobilität und Freiheit. Nicht selten hängt auch die berufliche Situation vom Führerschein ab.

Ab diesem Moment hat der Führerscheinneuling seine Fahrtauglichkeit bestätigt, sein Wissen bzw. seine fahrerischen Fähigkeiten wird er aber noch über 24 Monate unter Beweis stellen müssen, denn in Deutschland gibt es für den Führerscheine eine Probezeit. Geregelt ist diese im Straßenverkehrsgesetz (StVG) und in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV)Im § 2a Abs. 1 StVG heißt es:

Bei erstmaligem Erwerb einer Fahrerlaubnis wird diese auf Probe erteilt; die Probezeit dauert zwei Jahre vom Zeitpunkt der Erteilung an. Bei Erteilung einer Fahrerlaubnis an den Inhaber einer im Ausland erteilten Fahrerlaubnis ist die Zeit seit deren Erwerb auf die Probezeit anzurechnen. […] Die Probezeit endet vorzeitig, wenn die Fahrerlaubnis entzogen wird oder der Inhaber auf sie verzichtet. In diesem Fall beginnt mit der Erteilung einer neuen Fahrerlaubnis eine neue Probezeit, jedoch nur im Umfang der Restdauer der vorherigen Probezeit.

Demnach muss jeder Kraftfahrer eine Probezeit für den Führerschein absolvieren. Nach der theoretischen bzw. praktischen Prüfung gilt die Probezeit als dritte Prüfungsphase, in welcher der Führerscheinneuling sich bewähren muss. Die Probezeit hat eine Dauer von mindestens zwei Jahren. Fahranfänger, die sich in dieser Zeit an die Verkehrsregeln halten und nicht schwerwiegend gegen StVO und Co. verstoßen, bemerken die Probezeit häufig nicht. Problematischer ist es, wenn das Gegenteil zutrifft.

Führerscheinneulinge stehen unter besonderer Beobachtung. Verstoßen sie während der Probezeit schwerwiegend gegen die Regeln, müssen sie Probezeitmaßnahmen über sich ergehen lassen. Diese sind in den Absätzen 2 und 2a des besagten Paragraphen beschrieben:

(2) Ist gegen den Inhaber einer Fahrerlaubnis wegen einer innerhalb der Probezeit begangenen Straftat oder Ordnungswidrigkeit eine rechtskräftige Entscheidung ergangen, die nach § 28 Absatz 3 Nummer 1 oder 3 Buchstabe a oder c in das Fahreignungsregister einzutragen ist, so hat, auch wenn die Probezeit zwischenzeitlich abgelaufen oder die Fahrerlaubnis nach § 6e Absatz 2 widerrufen worden ist, die Fahrerlaubnisbehörde

  1. seine Teilnahme an einem Aufbauseminar anzuordnen und hierfür eine Frist zu setzen, wenn er eine schwerwiegende oder zwei weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen begangen hat,
  2. ihn schriftlich zu verwarnen und ihm nahe zu legen, innerhalb von zwei Monaten an einer verkehrspsychologischen Beratung nach Absatz 7 teilzunehmen, wenn er nach Teilnahme an einem Aufbauseminar innerhalb der Probezeit eine weitere schwerwiegende oder zwei weitere weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen begangen hat,
  3. ihm die Fahrerlaubnis zu entziehen, wenn er nach Ablauf der in Nummer 2 genannten Frist innerhalb der Probezeit eine weitere schwerwiegende oder zwei weitere weniger schwerwiegende Zuwiderhandlungen begangen hat.

Die Fahrerlaubnisbehörde ist bei den Maßnahmen nach den Nummern 1 bis 3 an die rechtskräftige Entscheidung über die Straftat oder Ordnungswidrigkeit gebunden.

(2a) Die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre, wenn die Teilnahme an einem Aufbauseminar nach Absatz 2 Satz 1 Nr. 1 angeordnet worden ist. Die Probezeit verlängert sich außerdem um zwei Jahre, wenn die Anordnung nur deshalb nicht erfolgt ist, weil die Fahrerlaubnis entzogen worden ist oder der Inhaber der Fahrerlaubnis auf sie verzichtet hat.

Neben den üblichen Strafen bzw. Bußen gemäß Bußgeldkatalog werden also auch weitere, meist verkehrspädagogische Maßnahmen auferlegt. Diese sollen zu einer Erweiterung der Kenntnisse bzw. Verhaltensänderung des Führerscheininhabers in der Probezeit beitragen.

Allerdings führt nicht jeder Verstoß zu einer solchen Anordnung. Voraussetzung ist, dass  dem Vergehen gemäß Bußgeldkatalog ein Eintrag ins Flensburger Fahreignungsregister folgt. Wer also einen Punkt erhält, muss mit einer solchen Maßnahme in der Probezeit rechnen.

Für welche Fahrzeugklassen gibt es eine Probezeit?

Für Fahranfänger bedeutet der Führerschein Freiheit und Unabhängigkeit.

Für Fahranfänger bedeutet der Führerschein Freiheit und Unabhängigkeit.

Die meisten Fahranfänger absolvieren die Probezeit mit dem Auto. Sie muss grundsätzlich nur einmalig durchlaufen und kann auf maximal vier Jahre erweitert werden.

Selbst wenn die Fahrerlaubnis vor Ablauf der Probezeit entzogen werden sollte, beträgt sie nach der Neuerteilung nur noch die restliche Zeit, beginnt also nicht neu zu laufen. Dies gilt auch dann, wenn der Führerschein für eine weitere Fahrzeugklasse (z. B. Auto, LKW, Motorrad) erworben wird. Eine neue Probezeit wird nicht angeordnet.

FührerscheinklassenGibt es eine Probezeit?
MofaNein
A, A1, A2, AM (Motorräder)Ja (außer AM)
B, B17, B96, BE (PKW)Ja
C1, C1E, C, CE (LKW)Ja
D1, D1E, D, DE (Busse)ja
T, L (Traktoren)Nein

Ist es möglich, die Probezeit zu verkürzen?

Laut Gesetz beträgt die Probezeit stets mindestens zwei Jahre. Bis Ende 2010 gab es allerdings in einigen Bundesländern die Möglichkeit, durch ein freiwilliges Fortbildungsseminar die Probezeit um ein Jahr zu  verkürzen. Die Probezeit wird auch nur einmalig angesetzt, das bedeutet, dass nach Absolvieren der Probezeit, keine neue Probezeit angesetzt werden kann, sollten Sie einen weiteren Führerschein erwerben.

Probezeit für den Führerschein: Maßnahmen bei A- und B-Verstößen

Ein Handy am Steuer ist ein B-Verstoß. Zu einer Verlängerung der Probezeit kommt es erst mit dem zweiten B-Verstoß.

Ein Handy am Steuer ist ein B-Verstoß. Zu einer Verlängerung der Probezeit kommt es erst mit dem zweiten B-Verstoß.

Nicht jeder Verstoß führt zu einer Probezeitmaßnahme, das bedeutet, dass nicht jeder, der in der Probezeit geblitzt wird, mit einem Aufbauseminar oder einer Probezeitverlängerung rechnen muss. Leichte Verstöße, bei denen die Höchstgeschwindigkeit nur um ein paar km/h überschritten worden sind, bleiben in der Regel ohne größere Folgen. Maßnahmen werden nur angeordnet, wenn es zu schwerwiegenden Verstößen kommt.

Grundsätzlich ist das der Fall, wenn Punkte in der Probezeit vergeben werden. Entscheidend ist aber auch die Art des Verstoßes. Das Verkehrsrecht teilt Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr in zwei Kategorien ein – in schwerwiegende Verstöße (A-Verstöße) und weniger schwerwiegende Verstöße (B-Verstöße). Grundlage bildet die Anlage 12 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV).

Zwei B-Verstöße wiegen dabei so schwer wie ein A-Verstoß. Beim ersten A-Verstoß wird direkt die Probezeit auf vier Jahre verlängert. Außerdem erfolgt die Anordnung eines Aufbauseminars, welches innerhalb einer bestimmten Frist durchgeführt werden muss. Versäumt dies der Führerscheinneuling, gehen die Behörden davon aus, dass die entsprechende Fahreignung nicht gegeben ist. Die Fahrerlaubnis wird entzogen. Bei einem einzelnen B-Verstoß passiert erstmal noch nichts. Erst beim zweiten B-Verstoß gibt es die beschriebenen Konsequenzen.

Verstößt ein Fahranfänger nach einem Aufbauseminar erneut schwerwiegend gegen das Verkehrsrecht, folgt eine behördliche Verwarnung und eine Empfehlung zur Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung, welche innerhalb der nächsten zwei Monate vorgesehen ist. Der dritte A-Verstoß bedeutet den Entzug der Fahrererlaubnis. Für die Neuerteilung vom Führerschein muss eine Sperrfrist von drei Monaten eingehalten werden.

 Probezeitmaßnahmen
erste A-Verstoß*Verlängerung der Probezeit auf vier Jahre
Teilnahme am Aufbauseminar
zweite A-Verstoß*Behördliche Verwarnung
Empfehlung zur Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung
dritte A-Verstoß*Entzug der Fahrerlaubnis
*bzw. zwei B-Verstöße

Delikte, für die keine Punkte bzw. kein Bußgeld über 60 Euro verhängt werden, bleiben auch ohne Folgen für die Probezeit.

A-Verstoß und B-Verstoß in der Probezeit

Ein A-Verstoß in der Probezeit führt zu Probezeitmaßnahmen.

Ein A-Verstoß in der Probezeit führt zu Probezeitmaßnahmen.

Wer beispielsweise mit dem Auto unter 21 km/h zu viel geblitzt wird und in der Probezeit ist, begeht zwar einen A-Verstoß, dieser bleibt aber ohne weitere Konsequenzen. Erst wenn ein Punkt in Flensburg gutgeschrieben wird, folgen die genannten Konsequenzen.

Wird dagegen mit dem Auto eine rote Ampel überfahren, wird die Probezeit immer verlängert. Eine Unterscheidung vom einfachen und qualifizierten Rotlichtverstoß spielt für die Probezeit keine Rolle. Letzterer zieht allerdings gemäß Bußgeldkatalog ein Fahrverbot von einem Monat nach sich.

Beispiele für A- und B-Verstöße:

A-Verstoß (schwerwiegend)B-Verstoß (weniger schwerwiegend)
Alkohol/Drogen am SteuerStopp-Schild überfahren
GeschwindigkeitsüberschreitungHandy am Steuer
FahrerfluchtFahren mit abgefahrenen Reifen
Überholen trotz ÜberholverbotFahren mit ungesicherter Ladung
über eine rote Ampel fahrenFahren ohne Licht trotz schlechter Sicht
AbstandsverstoßKennzeichenmissbrauch

Probezeitverlängerung

Bei einem A-Verstoß kommt es zur Probezeitverlängerung.

Bei einem A-Verstoß kommt es zur Probezeitverlängerung.

Kommt es beispielsweise zu einer Geschwindigkeitsüberschreitung in der Probezeit mit über 21 km/h zu viel oder wird gegen die 0-Promille-Grenze für Fahranfänger verstoßen und dennoch Alkohol in der Probezeit vor oder während der Fahrt konsumiert, ist in der Regel die Probezeit zu verlängern.

Diese Verlängerung ist eine verkehrspädagogische Maßnahme und soll den Fahranfänger zu einer umsichtigeren Fahrweise animieren. Diese ist auch angebracht, denn sollte die Fahrweise beibehalten werden, wird der Führerschein in der Probezeit über kurz oder lang eingezogen.

Aufbauseminar für Fahranfänger (ASF)

Die Teilnahme am kostpflichtigen Aufbaukurs für Fahranfänger ist obligatorisch, wenn die Fahrerlaubnis nach einen A-Verstoß bzw. zwei B-Verstößen erhalten bleiben soll. Wird der Kurs nicht fristgerecht absolviert, folgt der Führerscheinentzug. Die Frist beträgt meist zwei Monate. Ein Fristverlängerung wird nur in Ausnahmen genehmigt, falls beispielsweise ein Krankenhausaufenthalt die Teilnahme verhindert.

Das Seminar kann von Fahrlehrern mit entsprechender Zusatzausbildung in einer Fahrschule durchgeführt  werden. Es dauert etwa neun Stunden und findet in Gruppen statt. Meist ist das Seminar in vier Blöcke unterteilt und wird mit einer Fahrprobe abgeschlossen. Beim Aufbauseminar für Fahranfänger sind die Kosten vom Fahranfänger zu tragen. Sie betragen ca. 250 bis 500 Euro.

Wird in der Probezeit Alkohol nachgewiesen, ist ein besonderes Aufbauseminar gemäß § 36 FeV anzuordnen. Dieses widmet sich gezielt der Alkohol- und Drogenproblematik und versucht die Teilnehmer zu einer Verhaltensänderung zu bewegen.

Wird das Fahrverbot auf die Probezeit angerechnet?

In der Probezeit ist Alkohol tabu.

In der Probezeit ist Alkohol tabu.

Grundsätzlich gelten für Fahranfänger dieselben Regeln und Strafen wie für erfahrene Kraftfahrer. Das Verkehrsrecht ist gegenüber Führerscheinneulingen aber strenger, denn in der Probezeit ist der Führerschein bei schwerwiegenden Verstößen schneller weg. Maximal zwei A-Verstöße werden geduldet, der dritte führt zum Führerscheinentzug.

Bei einem schwerwiegenden Verkehrsverstoß kann ein Fahrverbot verhängt werden. Dies ist in der Regel der Fall, wenn für eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit zwei Punkte gemäß Bußgeldkatalog zur Regelbuße gehören.

Delikte, die zu einem Fahrverbot führen (Auswahl):

  • Geschwindigkeitsüberschreitung von mindestens 31 km/h innerhalb oder 41km/h außerhalb geschlossener Ortschaften
  • Drogen oder Alkohol am Steuer mit über 0,5 Promille
  • Überfahren einer roten Ampel
  • Mindestabstand mit weniger als 3/10 des halben Tachos nicht eingehalten

Für die Dauer der Probezeit ist das Fahrverbot aber unerheblich. Trotz Antretens des Fahrverbots läuft sie weiter. Sie kann nur dann unterbrochen werden, wenn die Fahrerlaubnis entzogen bzw. vorläufig entzogen wird. Auch eine Beschlagnahmung kann eine Unterbrechung darstellen. Wird die Fahrerlaubnis neuerteilt, läuft die Probezeit normal bis zur Erreichung der zwei bzw. vier Jahre weiter.

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