MPU-Fragen: Womit müssen Sie rechnen?

Welche Fragen werden bei der MPU gestellt?

Die Gutachter fragen bei der MPU nach der Ursache für den Fahrerlaubnisentzug.

Die Gutachter fragen bei der MPU nach der Ursache für den Fahrerlaubnisentzug.

Es gibt viele Gründe für einen Führerscheinentzug. Nach einer Sperrfrist von mindestens sechs Monaten bis maximal fünf Jahren können Betroffene einen Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis stellen. Die Behörden entscheiden dann, ob die Fahrberechtigung wieder ausgehändigt werden kann oder, sollten noch Zweifel an der Fahreignung bestehen, eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) absolviert werden muss.

Jährlich erhalten ca. 100.000 Kraftfahrer eine solche MPU-Anordnung. Für die Betroffenen stellt diese eine große Hürde auf dem Weg zurück zum Führerschein dar. Nicht nur die hohen Kosten für MPU-Kurse und für das Gutachten, sondern auch die hohe Durchfallquote von ca. 50% setzen die Betroffenen unter großen Druck. Viele, die zum sogenannten “Idiotentest” müssen, fragen sich, was wohl die beste Strategie zum Bestehen ist.

Zunächst muss aber erstmal festgehalten werden, dass es keine standardisierte MPU gibt. Feste Prüfungsfragen sind daher nicht zu erwarten. Die Fragen bei der MPU zielen weniger auf Wissen ab, als auf die jeweilige persönliche Situation der Teilnehmer. Ziel der MPU ist die Untersuchung der Fahreignung von Personen, welche ihre Fahrerlaubnis verloren haben. So unterschiedlich die Gründe sind, warum jemandem der Führerschein entzogen worden ist, so verschieden sind auch die Fragen, welche die MPU klären soll.

Zweifel an der Fahreignung

Erhalten Kraftfahrer eine MPU-Anordnung müssen sie sich für eine Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF) entscheiden. Die Behörde nimmt im Anschluss Kontakt zur gewählten Institution auf und teilt dem Gutachter mit, welche Fragen beim MPU-Test beantwortet werden sollen.

Hintergrund sind Zweifel der Behörde an der Fahreignung eines Kraftfahrers. Ist dieser beispielsweise mehrfach mit Alkohol am Steuer erwischt worden, steht eine berechtigte Vermutung einer Alkoholproblematik im Raum. Bevor der Führerschein wieder ausgehändigt werden kann, muss geklärt werden, ob der Kraftfahrer auch zukünftig mit Alkohol im Blut die Verkehrssicherheit gefährdet.

MPU-Fragebögen

Im Verlauf der MPU müssen Betroffene neben dem medizinischen und psychologischen auch einen schriftlichen Teil absolvieren. Dabei ist ein MPU-Fragebogen auszufüllen, in dem Daten zur Person, zu beruflichen bzw. familiären Verhältnissen sowie zur Gesundheit abgefragt werden. In diesem MPU-Fragenbogen sind auch Alkohol und anderen Genussmittel Thema.

Dieser MPU-Fragebogen ist allerdings keineswegs einheitlich bei den Begutachtungsstellen. Auch der Umgang mit dem Dokument kann von Einrichtung zu Einrichtung variieren. Manchmal ist es erlaubt, den Fragebogen bereits zuhause auszufüllen. In anderen Fällen sollen beim eigentlichen MPU-Termin die Fragen beantwortet werden.

MPU-Test: Die Fragen sind nicht standardisiert

Die MPU-Fragen sind nicht wie bei der Fahrschule standardisiert.

Die MPU-Fragen sind nicht wie bei der Fahrschule standardisiert.

Wie bereits erwähnt, sind die Gründe verschieden, weshalb Kraftfahrer zur MPU müssen. Hat beispielsweise ein Verkehrsrowdy wegen Geschwindigkeitsverstößen acht Punkte gesammelt, sind die Fragen seiner MPU verschieden zur Alkohol- bzw. Drogen-MPU.

Was die Gutachter bei einer MPU fragen und welche Antworten zu einem Bestehen der Untersuchung führen, lässt sich also nicht wirklich voraussagen.

Dennoch gibt es typische MPU-Fragen, welche von zentraler Bedeutung sind und aufzeigen sollen, ob Betroffene sich mit ihrem Fehlverhalten auseinander gesetzt haben:

  1. Was war die Ursachen für den Verkehrsverstoß?
  2. Wie groß ist Ihre Motivation, um Ihr Verhalten nachhaltig zu verändern?
  3. Haben Sie bereits eine Verhaltensänderung vollzogen?
  4. Wie stabil ist diese Verhaltensänderung?
  5. Besteht die Gefahr eines Rückfalls?

Wird eine Frage nicht zur Zufriedenheit der Gutachter beantwortet, macht dies ein negatives Gutachten wahrscheinlich.

Gibt es einen MPU-Fragenkatalog?

Es gibt bei der MPU keine Testfragen und die Antworten können daher auch im Vorfeld nicht wirklich auswendig gelernt werden. Die medizinisch-psychologische Untersuchung ist eben keine Fahrschule. Dennoch ist eine gründliche MPU-Vorbereitung wichtig. Diese gipfelt aber nicht darin, gewisse Antworten auswendig zu lernen.

Die Gutachter fragen stets so, dass diese auch einschätzen können, ob Sie sich mit den Ursachen Ihrer Verkehrsvergehen auseinander gesetzt und ob Sie Wege gefunden haben, Ihr Verhalten nachhaltig zu ändern. Im Endeffekt geht es dann auch darum, ob Sie den Gutachter überzeugt haben. Einen Katalog aus standardisierten MPU-Fragen gibt es also nicht. Manche Anbieter im Internet werben zwar damit, allerdings sind diese oftmals unseriös und lenken von der eigentlichen MPU-Vorbereitung ab.

Fallstrick bei der MPU: Fragen zum Alkohol

Bei der MPU werden auch Fragen zum Alkohol- und Drogenkonsum gestellt.

Bei der MPU werden auch Fragen zum Alkohol- und Drogenkonsum gestellt.

Wurde die Fahrerlaubnis aufgrund eines Verstoßes gegen die Promillegrenze entzogen, müssen Betroffene bei der MPU auf Fragen antworten, welche Alkohol zum Thema haben. Hierbei geht es um die Vermutung einer Suchtproblematik, welche in Deutschland die Fahreignung ausschließen kann.

Mithilfe der medizinischen Untersuchung werden physische Fakten zum Alkoholkonsum gesammelt. Gibt es auffällige Werte, kann dies zu einem negativen MPU-Gutachten führen. Doch selbst wenn der medizinische Test bestanden wird und vielleicht sogar ein Abstinenznachweis beigebracht wurde, heißt dies nicht automatisch, dass die Untersuchung bestanden wird. Im psychologischen Teil wird der Gutachter Ihre Konsumgewohnheiten genau abklopfen und auch tiefer bohren, sollten die Ihre Antworten ihm zu oberflächlich erscheinen.

Bereiten Sie sich auf die MPU vor!

In der MPU-Vorbereitung sollten Sie sich ausgiebig mit Ihrer Situation auseinandersetzen. Sie müssen bei der MPU auf Fragen zum Alkoholkonsum antworten und erklären können, wie es dazu kommen konnte, dass Sie sich betrunken hinter ein Steuer gesetzt haben. Dabei ist es wichtig, sich Fehler einzugestehen, die Ursache nicht bei anderen zu suchen und demütig zu bleiben. Außerdem benötigen Sie Lösungsstrategien, mit denen Sie zukünftig eine Alkoholfahrt vermeiden werden. In der Vorbereitungszeit sollten Sie zudem schon einige Erfolge bei Ihrer Verhaltensänderung errungen haben.

Der Gutachter wird Ihre Aussagen anhören und bewerten. Dabei geht es auch um Glaubwürdigkeit. Sollte er feststellen, dass Sie Sachverhalte beschönigen bzw. bagatellisieren, könnte dies eine negative MPU bedeuten, da dies vermuten lässt, dass Sie Ihr Fehlverhalten ebenfalls nicht ernst nehmen. Häufig glauben Betroffene, dass es bei der MPU um schauspielerisches Talent geht, erfahrungsgemäß bringt Sie aber die Wahrheit weiter. Seien Sie nicht nur ehrlich zum Gutachter, sondern auch zu sich selbst.

Das bedeutet Arbeit. Daher ist auch zu empfehlen, diese Arbeit im Rahmen einer professionellen MPU-Vorbereitung zu leisten. MPU-Kurse und MPU-Beratungen werden häufig in der Nähe einer Begutachtungsstelle angeboten. Manchen hilft auch im Vorfeld der Besuch eines Verkehrspsychologen.

Werden bei der MPU Fragen zu Drogen gestellt?

Muss die MPU aufgrund von Drogen besucht werden, steht außer Fragen, dass der Genuss von Substanzen gemäß Betäubungsmittelgesetz thematisch im Fokus des Gutachtens stehen wird. Aber auch in anderen Fällen können Drogen zum Gesprächsthema werden. Bereiten Sie sich auf das Gespräch entsprechend vor. Wer durch solche Fragen überrascht wird, könnte sich leicht verzetteln.

Werden bei der MPU Fangfragen gestellt?

Bei der MPU sollen Fangfragen Sie aus dem Konzept bringen.

Bei der MPU sollen Fangfragen Sie aus dem Konzept bringen.

Tatsächlich hängt das von der Arbeitsweise des Gutachters ab. Sicher können Sie sich jedoch sein, dass bei der MPU auch Fragen gestellt werden, welche Sie gezielt aus dem Konzept bringen sollen.

Die Gutachter merken, wenn die Antworten auf ihre Fragen sehr geübt wirken. Durch gezieltes Nachfragen können die Psychologen oftmals auch hinter eine Maske schauen.

Bei der MPU kommt es eben nicht auf schauspielerisches Talent an. Sollte bei einer solchen Fangfrage das „Kartenhaus“ zusammenstürzen, könnte dies aufzeigen, dass Sie vermutlich noch etwas mehr Zeit in die Vorbereitung investieren sollten. Wer sich allerdings tiefgründig mit sich beschäftigt hat, wird souverän bei der MPU auf solche Fragen antworten können.

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3 Gedanken zu „MPU-Fragen: Womit müssen Sie rechnen?

  1. Habe nach Fahrerflucht nach einem Parkrempler (Schaden am geschädigtem Fahrzeug 1700 Euro)u. 6 Mon. Fahrerlaubnisentzug u. 600 Euro Geldstrafe vom Gericht die Nachricht bekommen, daß die Sperrfrist am25. 01 2018 abgelaufen ist, u. ich die Fahrerlaubnis neu beantragen kann.Nach Vorsprache bei der Führerscheinstelle habe ich den Antrag mit den geforderten Unterlagen(Führungszeugnis, Sehtest, ärztliche Bescheinigung vom Zuckerarzt, Teilnahme !. Hilfe, ec ) persöhnlich abgegeben. Kann es passieren, daß auf Grund meines Alters noch eine MPU erforderlich wird.Da keine Beratungsstelle in der Nähe ist, überlege ich, wie ich mich am günstigsten vorbereiten kann.

    • Hallo Gerald,

      nur aufgrund Ihres Alters müssen sie in der Regel keine MPU machen. Zumal die körperliche Verfassung Ihren Angaben nach Ihre Tauglichkeit bestätigt. Wurde keine MPU angeordnet, müssen Sie diese auch nicht machen.

      Die Redaktion von fahrverbot.com

  2. Aus Ihrer Darstellung wird wunderbar klar, dass es Betroffenen nichts bringt, wenn Sie schauspielern wollen. Die MPU-Fragen sind tatsächlich extrem individuell. Auch wenn es im Gespräch mit anderen oft so scheint, als wären die gleichen Fragen gestellt worden. Tatsächlich agiert und reagiert der Gutachter stets auf den jeweils geschilderten Sachverhalt. Hinzu kommen Umstände, die er der Führerscheinakte entnehmen kann (z.B. Polizeiberichte, Zeugenaussagen, Arztberichte). Auch das Verhalten, die Erzählweise u.a. Wahrnehmungen seitens des Klienten nimmt Einfluss auf das Vorgehen des Gutachters.

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