Kann kontrolliertes Trinken bei der MPU erfolgreich sein?

Was ist kontrolliertes Trinken?

Kontrolliertes Trinken bedeutet einen seltenen, nicht spontanen Konsum von Alkohol.

Kontrolliertes Trinken bedeutet einen seltenen, nicht spontanen Konsum von Alkohol.

Der Fahrerlaubnisentzug ist für alle Betroffenen ein herber Schlag. Erst nach Abwarten der Sperrfrist kann ein Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis gestellt werden. Dann heißt es oft langes Bangen – ist eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) notwendig?

Dies ist abhängig vom Grund des Fahrerlaubnisentzugs. In der Regel wird eine MPU angeordnet, wenn acht Punkte in Flensburg erreicht worden sind, der Führerschein aufgrund eines zu hohen Promillewerts entzogen oder eine Straftat begangen wurde. Die wohl häufigste Ursache sind Alkoholdelikte.

Der Gesetzgeber stellte in der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) fest, dass ein Fahren unter Alkohol über einen bestimmten Promillewert rechtswidrig ist. Ab einem Wert von über 1,09 Promille handelt es sich um eine Straftat. Fällt jemand häufiger negativ auf oder hat besonders hohe Werte kann dies berechtigte Zweifel an der Fahreignung nähren. Eine MPU wird dann unumgänglich.

Für Betroffene stellt sich dann häufig die Frage, wie sie mit dem Thema Alkoholkonsum umgehen sollen – müssen sie auf Alkohol gänzlich verzichten oder genügt kontrolliertes Trinken? Doch wie kann ein solcher kontrollierter Alkoholkonsum aussehen? Für wen ist kontrolliertes Trinken eine Option und wie kann es bei einer MPU nachgewiesen werden?

Was bedeutet für die MPU kontrolliertes Trinken?

Wegen Alkohol zur MPU? Vielleicht ist kontrolliertes Trinken eine geeignete Strategie.

Wegen Alkohol zur MPU? Vielleicht ist kontrolliertes Trinken eine geeignete Strategie.

Muss die MPU wegen einer Alkoholproblematik aufgesucht werden, steht bei der Untersuchung auch diese im Fokus der Gutachter. Es gilt zu klären, ob möglicherweise ein Alkoholismus vorliegt oder ob die Fahreignung aufgrund von unverantwortlichen Trinkgewohnheiten gefährdet ist.

Das Ergebnis der MPU stützt sich zwar auch auf die Diagnose des medizinischen Teils, entscheidender ist aber häufig das psychologische Gespräch. Denn selbst wenn Leberwerte und Co. in Ordnung sind, kann im Gespräch ein problematisches Verhältnis zum Alkohol zutage treten.

Doch was ist gemeint, wenn vom kontrollierten Trinken die Rede ist? Im Grunde bedeutet es nichts anderes, als dass ein gesunder und kontrollierter Umgang mit Alkohol besteht. Er wird nur zu Festivitäten oder besonderen Anlässen konsumiert. Es bleibt also die Ausnahme. Kontrolliertes Trinken meint entsprechend einen sehr seltenen und nicht spontanen Konsum.

Was charakterisiert kontrolliertes Trinken?
  • Es wird nur so viel getrunken, dass es noch nicht zu alkoholtypischen Effekten kommt (z. B. Enthemmung). Das ist ca. ein halbes Bier.
  • Alkohol wird nur sehr selten und sehr wenig getrunken.
  • Zwischen den Trinkanlässen muss ein ausreichend großer Zeitabstand liegen, damit eine Gewöhnung vermieden wird (ca. drei bis vier Wochen).
  • Alkohol wird nicht spontan getrunken. Die Anlässe sind bereits vorher bekannt.

Bei der Abstinenz herrscht dagegen vollständiger Verzicht. Abstinente Menschen konsumieren überhaupt keinen Alkohol. Liegt wie bei einem Alkoholiker eine Sucht vor, muss nach gängiger Ansicht das Suchtmittel vollständig aus dem eigenen Leben verschwinden, um einen Rückfall zu vermeiden.

Alkohol kontrolliert trinken oder Abstinenznachweis

Ein kontrollierter Alkoholkonsum muss glaubhaft sein.

Ein kontrollierter Alkoholkonsum muss glaubhaft sein.

Bei der MPU ist zunächst entscheidend, was die Behörde von Ihnen verlangt.

Geht mit der Anordnung der MPU auch die Vorgabe einher, dass ein Abstinenznachweis erbracht werden muss, stellt kontrolliertes Trinken keine Option dar. Ohne Nachweis der Abstinenz gibt es den Führerschein nicht zurück.

Kontrolliertes Trinken ist nur dann sinnvoll, wenn Sie Ihre Argumentation, einen gesunden Umgang mit Alkohol zu haben, untermauern möchten.

Es geht dabei darum, den Gutachter zu überzeugen, dass Sie sich mit der Problematik auseinandergesetzt haben und sinnvolle Anpassungen in Ihrem Leben vollzogen haben. Diese Darlegung muss glaubhaft sein.

Auf die MPU-typische Frage, warum Sie kontrolliertes Trinken praktizieren und nicht auf Abstinenz setzen, sollten Sie vorbereitet sein.

Steht in Ihrer MPU die Suchtproblematik weniger im Vordergrund, könnte der Gutachter sogar hellhörig werden, wenn Sie ihm von Ihrer Abstinenz berichten, denn dadurch zeigen Sie, dass die Thematik für Sie scheinbar von hoher Bedeutung ist. Gutachter könnten sich schließlich fragen, ob Sie kein kontrolliertes Trinken praktizieren können.

Wer sollte bei Alkohol kontrolliertes Trinken betreiben?

Die Frage, ob abstinent leben oder kontrolliert trinken, stellt sich nur, wenn Sie auch eine Alkohol-MPU machen. Bei allen anderen Gutachten stehen andere Faktoren im Vordergrund. Aber auch beim Idiotentest wegen Alkohol ist kontrolliertes Trinken nicht für jeden eine geeignete Strategie. Grundsätzlich kommt es auf vier verschiedene Faktoren an:

  • Gemessener Promillewert: War der Promillewert bei der Kontrolle überdurchschnittlich hoch, kann eine MPU erfahrungsgemäß nicht durch kontrolliertes Trinken bestanden werden.
  • Alter: Ältere Kraftfahrer sind im Nachteil, weil angenommen wird, dass sich hier Verhaltensmuster stärker gefestigt haben und dadurch ein Rückfall in alte Gewohnheiten wahrscheinlicher ist.
  • Datum und Uhrzeit der Alkoholfahrt: Der Zeitpunkt lässt Rückschlüsse darauf ziehen, ob ein alltäglicher Alkoholkonsum vorliegt.
  • Ersttäter oder Wiederholungstäter: Wer bereits negativ aufgefallen ist, hat eine geringe Glaubwürdigkeit. Kontrolliertes Trinken erscheint unwahrscheinlich.

Wie kann kontrolliertes Trinken nachgewiesen werden?

Wer häufiger negativ aufgefallen ist, hat gezeigt, dass er Alkohol nicht kontrolliert trinken kann.

Wer häufiger negativ aufgefallen ist, hat gezeigt, dass er Alkohol nicht kontrolliert trinken kann.

Die Entscheidung zwischen Abstinenz und kontrolliertem Trinken ist eine Entscheidung zwischen keinem Alkohol und sehr wenig Alkohol.

Beides kann zur Herausforderung werden. Während der vollständige Verzicht in der Regel durch Abstinenznachweise gut belegt werden kann, ist kontrolliertes Trinken nicht so leicht nachzuweisen.

Bei einem geringen Konsum sollten die Leberwerte relativ unauffällig sein.

Sind sie aber erhöht, muss die Ursache dafür medizinisch belegt sein und nachgewiesen werden, dass nicht der Alkoholkonsum ursächlich ist.

Hilfreich ist auch das Schreiben eines Tagebuchs, in dem dokumentiert ist, wann Sie wie viel getrunken haben. Das erleichtert Ihnen später, sich genau zu erinnern. Müssen Sie zu lange überlegen, wenn Sie nach Ihren Konsumgewohnheiten befragt werden, könnte dies so interpretiert werden, dass Sie sich nicht bewusst mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Dies ist aber für kontrolliertes Trinken zwingend erforderlich.

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