Fehlverhalten am Bahnübergang: Wann droht ein Fahrverbot?

Sicherheit an Bahnübergängen

Bahnübergang bei geschlossener Schranke mit Kfz überquert? Das sind 700 Euro, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot.

Bahnübergang bei geschlossener Schranke mit Kfz überquert? Das sind 700 Euro, zwei Punkte und drei Monate Fahrverbot.

Straße trifft Schiene – ein Bahnübergang ist stets ein Risiko für die Verkehrssicherheit. Immer wieder kommt es zu gravierenden Unfällen, bei denen ein Zug ein Fahrzeug erfasst und auf den Schienen mitschleift.

Meistens enden solche Zusammenstöße tödlich. In Deutschland ist die Zahl der Unfälle seit einigen Jahren rückläufig. So kam es im Jahr 2013 nur noch 150 Mal zu einem Unfall am Bahnübergang.

Der Wert hat sich damit im Vergleich zum Jahr 2004 um knapp 40 Prozent reduziert. Dies liegt insbesondere daran, dass die Bahn vermehrt die Bahnübergänge abbaut und durch Unterführungen oder Brücken ablöst.

Im Zeitraum von 2004 bis 2013 würde die Anzahl der Bahnübergänge von rund 22.881 auf 18.100 reduziert, was ca. 20 Prozent in zehn Jahren bedeutet. Das Ziel ist es, irgendwann insgesamt auf Bahnübergänge zu verzichten. Doch wieso ist das so?

Am Bahnübergang treffen zwei Welten aufeinander, was ein hohes Unfallrisiko bedeuten kann. Von allen Verkehrsteilnehmern verlangt ein Bahnübergang ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, insbesondere dann, wenn der Bahnübergang technisch nicht gesichert ist. Grundsätzlich genießen Züge Vorrang vor anderen Kraftfahrzeugen. Dies ist darin begründet, dass die schweren Bahnen in der Regel aufgrund ihres Gewichtes einen langen Bremsweg haben.

Das macht es so wichtig, dass Kraftfahrer sich an Bahnübergängen unbedingt entsprechend der Straßenverkehrsordnung (StVO) verhalten müssen. Verstöße gegen das Verkehrsrecht werden am Bahnübergang daher besonders hart bestraft. Nicht selten erhalten Verkehrssünder ein Fahrverbot.

Sicherungsmaßnahmen am Bahnübergang

Senkt sich am Bahnübergang die Schranke, müssen Sie warten.

Senkt sich am Bahnübergang die Schranke, müssen Sie warten.

Bahnübergänge werden als Unfallschwerpunkt betrachtet, weshalb es viele Arten von Sicherungsmaßnahmen wie Schranken und Lichtzeichenanlagen gibt, um einen Zusammenprall zwischen Auto und Zug zu vermeiden.

Obwohl häufig vom ungesicherten Bahnübergang gesprochen wird, gibt es diesen tatsächlich in Deutschland nicht. Unterschieden wird stattdessen in technisch gesicherte und nicht-technisch gesicherte Bahnübergänge.

Welchem Prinzip die Sicherungsmaßnahmen folgen, ist abhängig vom Verkehrsaufkommen auf der Strecke sowie der Art der Eisenbahnstrecke. Dabei ist entscheidend, ob es sich um Haupt- bzw. Nebenstrecken handelt, ob die Schienen eingleisig oder mehrgleisig sind und ob es sich um eine Straße oder einen Weg (z. B. Radweg oder Fußweg) handelt.

Zur Sicherung eines Bahnübergangs kommen Straßenschilder und Verkehrseinrichtungen zum Einsatz. Zu nennen sind:

  • Lichtzeichen
  • Blinklichter, Warnlichter und Haltlichter
  • Schranken
  • Verkehrszeichen und -schilder wie Andreaskreuz und Gefahrzeichen
  • Akustische Warneinrichtungen

Wie müssen sich Kraftfahrer am Bahnübergang verhalten?

Beim Parken ist innerorts ein Abstand von 5 Metern zum Andreaskreuz einzuhalten.

Beim Parken ist innerorts ein Abstand von 5 Metern zum Andreaskreuz einzuhalten.

Gemäß StVO dürfen sich Kraftfahrzeuge einem Bahnübergang nur langsam und bremsbereit nähern, sobald dieser von den Warnbarken angekündigt wird. Gleichzeitig gilt ein Überholverbot, sobald das Gefahrzeichen den Bahnübergang ankündigt.

Zu den Sicherheitseinrichtungen gehört auch das sogenannte Andreaskreuz. Vor diesem müssen Kraftfahrer stets warten, sollte sich ein Zug nähern, ein rotes Blinklicht oder ein gelbes bzw. rotes Lichtzeichen gegeben werden. Ist der Bahnübergang beschrankt, sind zusätzlich zum Andreaskreuz Halb- bzw. Vollschranken verbaut, die sich vor Einfahrt der Eisenbahn schließen. Bei geschlossenen oder sich bewegenden Schranken ist der Kfz-Fahrer verpflichtet zu warten.

Gleiches gilt für akustische Warnsignale. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese an der Schrankenanlage verbaut sind oder vom Zug selbst erzeugt werden. Es gilt ein Haltegebot. Ist der Zug durchgefahren und die Strecke frei, muss der Bahnübergang zügig überquert werden. Auf der Kreuzung darf nicht gehalten werden.

Parken vor dem Andreaskreuz

Wer innerorts vor einem Andreaskreuz parken möchte, sollte unbedingt den Mindestabstand einhalten. Dieser beträgt 5 Meter, außerhalb geschlossener Ortschaften müssen 50 Meter Abstand eingehalten werden. Das Halten bis zu zehn Meter vor bzw. hinter einem Andreaskreuz ist verboten, sollte das Andreaskreuz dadurch verdeckt werden.

Fahrverbot am Bahnübergang

Ein Unfall am Bahnübergang kann sehr gefährlich sein.

Ein Unfall am Bahnübergang kann sehr gefährlich sein.

Bei Verstößen am Bahnübergang bzw. am Andreaskreuz können gemäß Bußgeldkatalog gegen Verkehrssünder Bußgelder zwischen 70 und 700 Euro verhängt werden. Wird gegen die Wartepflicht (z. B. Andreaskreuz mit rotem Blinklicht) verstoßen, müssen Betroffene mit einem Bußgeld in Höhe von 240 Euro, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot rechnen.

Zwei Punkte, 700 Euro Buße und drei Monate Fahrverbot erhalten Kraftfahrer, die trotz geschlossener Schranke den Bahnübergang überqueren. Dieses Manöver ist höchst fahrlässig und gefährdet nicht nur das eigene Leben, sondern auch das Leben der Insassen im Zug. Alle Verkehrsteilnehmer sollten daher auf das Signal zum Warten achten und diesem Gebot Folge leisten.

(Un)Beschrankter Bahnübergang

Es spielt keine Rolle, ob Bahnübergänge durch eine Schranke gesichert sind oder nicht – sobald ein Zug sich nähert, müssen Kraftfahrer Vorrang gewähren und im entsprechenden Abstand vor dem Andreaskreuz warten. Obwohl die Schranke für zusätzliche Sicherheit sorgen soll, kann es auch zu technischen Defekten an Bahnübergängen kommen, wodurch die Schranken nicht funktionieren und der Übergang nur mangelhaft gesichert ist. Kraftfahrer sollten also stets achtsam bleiben und sich nicht ausschließlich auf das technische Gerät verlassen.

Bußgeldkatalog: Bahnübergang

Tatbestand: Fehler am BahnübergangBußgeldPunkteFahrverbot
unzulässig überholt70 €
... mit Gefährdung85 €
... mit Sachbeschädigung105 €
Vorrang eines Schienenfahrzeugs nicht beachtet80 €1
... mit Gefährdung100 €1
... mit Sachbeschädigung120 €1
Bahnübergang ohne Einhalten der Wartepflicht überquert, obwohl sich ein Zug näherte80 €1
mit nicht angepasster Geschwindigkeit an einen Bahnübergang herangefahren100 €1
Bahnübergang ohne Einhalten der Wartepflicht überquert (trotz gelben/roten Lichtzeichen, sich senkender Schranken oder Haltegebot eines Bediensteten)240 €21 Monat
Als Fußgänger oder Radfahrer den Bahnübergang bei geschlossener Schranke überquert350 €
Als Kraftfahrer den Bahnübergang bei geschlossener Schranke überquert700 €23 Monate
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