Abstand und Fahrverbot: Was sagt die StVO?

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Abstandsvergehen: Wenn die notwendige Distanz nicht gewahrt wird

Drängler verringern den Abstand mit Absicht. Sie nötigen ihren Vordermann zum Spurwechsel.

Drängler verringern den Abstand mit Absicht. Sie nötigen ihren Vordermann zum Spurwechsel.

Es ist schlicht gefährlich, wenn ein Autofahrer seinem Vordermann zu nah auf die Pelle rückt. Auffahrunfälle aufgrund zu geringen Abstands sind auf deutschen Straßen nicht selten. Häufig kommt es dabei zum Personenschaden. Besonders auf Autobahnen ist das Risiko eines tödlichen Unfalls groß, wenn nicht die entsprechende Distanz eingehalten wird.

Sogenannte Drängler ignorieren diese Gefahr und verringern den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug absichtlich, um den Fahrer zum Spurwechsel zu nötigen. Dabei betätigen sie die Lichthupe oder den Blinker und setzen den Vordermann oftmals sogar mit der akustischen Hupe unter Druck. Für den Fahrer des vorausfahrenden Fahrzeugs bedeutet dies Stress. Er wird vom Verkehr abgelenkt und unsicher.

Solche Situationen gilt es zu vermeiden. Daher gibt es in der Straßenverkehrsordnung (StVO) strenge Regelungen zum Thema „Abstand“ und Entfernung zum Vordermann.

Im § 4 Abs. 1 StVO steht geschrieben:

Der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug muss in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Wer vorausfährt, darf nicht ohne zwingenden Grund stark bremsen.

Ein Abstandsverstoß ist kein Kavaliersdelikt. Das zeigt sich bereits an den empfindlichen Strafen, die der Bußgeldkatalog für die Unterschreitung der als sicher geltenden Distanz vorsieht. Neben hohen Bußgeldern können auch Punkte und ein Fahrverbot die Folge eines zu geringen Abstands sein.

Würde jeder den Sicherheitsabstand einhalten, wären Auffahrunfälle eine Seltenheit. Dies ist allerdings nicht der Fall. Das beweisen die Unfallstatistiken immer wieder auf dramatische Weise. Denn gerade bei hoher Geschwindigkeit, beispielsweise auf der Autobahn, wird der Mindestabstand täglich tausendfach unterschritten.

Nach § 4 Abs. 2 StVO gilt für Kfz mit spezieller Geschwindigkeitsbegrenzung oder Züge bestehend aus mehreren Fahrzeugen und einer Länge über sieben Meter, dass sie außerhalb geschlossener Ortschaften stets einen solche großen Abstand halten müssen, dass Fahrzeugen, die überholen wollen, notfalls einscheren können.

Ausnahmen bei dieser Regel:

  • zum Überholen wurde ausgeschert und dies wurde auch entsprechend angekündigt
  • in Fahrtrichtung sind mehrere Fahrstreifen vorhanden
  • das Überholen ist auf der Strecke verboten

Wie groß muss der Abstand sein?

Der Abstand sollte stets der Witterung angepasst werden.

Der Abstand sollte stets der Witterung angepasst werden.

Die meisten Auffahrunfälle lassen sich auf eine Unterschreitung vom Mindestabstand zurückführen. Dieser muss gemäß § 4 StVO so groß sein, dass es nicht zur Kollision kommt, selbst wenn der Vordermann plötzlich und unvermittelt bremst. Wie bereits erwähnt, ignorieren Drängler gern diese Regel und unterschreiten den Mindestabstand auf der Autobahn. Nicht selten kommt es bei diesen gefährlichen Situationen zum Unfall, bei dem oft auch Todesopfer beklagt werden müssen.

Dabei ist es gar nicht so schwierig, den korrekten Sicherheitsabstand einzuhalten. Schon in der Fahrschule werden den jungen Autofahrern einfache Faustformeln mitgegeben, mit denen sie überprüfen können, ob der Abstand groß genug ist.

Grundsätzlich gilt, dass der Sicherheitsabstand von der gefahrenen Geschwindigkeit und den Verkehrs- bzw. Wetterverhältnissen abhängig ist. Drängler handeln allerdings bewusst regelwidrig. Ihr Verhalten ist geprägt von Unvernunft und Selbstüberschätzung.

Wie groß muss der Abstand zum Vordermann sein?

  • Innerhalb geschlossener Ortschaften beträgt der Abstand die Strecke, die in einer Sekunde gefahren wird. Bei 50 km/h sind das 15 Meter oder drei PKW-Längen.
  • Außerhalb geschlossener Ortschaften beträgt der Mindestabstand die Strecke, die in zwei Sekunden gefahren wird (Zwei-Sekunden-Abstand). Als Faustformel gilt: Halber Tachowert. Bei 100 km/h sind das 50 Meter.

Wie groß muss der Abstand zur Seite sein?

Kfz-Fahrer müssen auch auf den Seitenabstand achten. Dieser sollte unbedingt beim Überholen bzw. zum Gegenverkehr eingehalten werden. Wie groß dieser Abstand sein muss, hängt vom jeweiligen Verkehrsteilnehmer ab.

Seitenabstand zu:

  • Einspurigen Fahrzeugen (z. B. Fahrrad oder Motorrad): mindestens 1,5 Meter
  • PKW oder LKW: mindestens ein Meter
  • Schul- und Linienbussen: mindestens zwei Meter

Der seitliche Abstand sollte auch der Geschwindigkeit angepasst werden. Je schneller Sie unterwegs sind, umso größer muss der Abstand sein, um ggf. Lenkfehler auszugleichen.

Wie Sie den Sicherheitsabstand berechnen können

Um den Sicherheitsabstand berechnen zu können, müssen zwei Faktoren in den Fokus genommen werden – der Bremsweg und die Reaktionszeit. Gemeinsam bilden sie den Anhalteweg. Beide sind von der Geschwindigkeit abhängig. Je länger ein Fahrer braucht, um in einer Gefahrensituation zu reagieren, je mehr Strecke legt er dabei zurück. Angenommen wird stets eine Reaktionszeit von einer Sekunde. Der Bremsweg ist darüber hinaus von der Beschaffenheit der Fahrbahn und der Intensität der Bremsung bestimmt. Der Sicherheitsabstand muss letztlich immer größer als der Anhalteweg sein.

Faustformel Anhalteweg

Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg

Reaktionsweg = (Geschwindigkeit : 10) x 3

Bremsweg = (Geschwindigkeit : 10) x (Geschwindigkeit : 10)

*Geschwindigkeit in km/h

Faustregeln zur Bestimmung des Abstands:

  • Der Sicherheitsabstand ist gleich dem halben Tachowert, d.h. bei 120 km/h sollte der Abstand 60 Meter betragen. Orientierung bieten die Leitpfosten. Diese sind immer im Abstand von 50 Metern zueinander aufgestellt.
  • Zwei-Sekunden-Abstand: Merken Sie sich einen Punkt, an dem das Auto vor Ihnen vorbei fährt. Wenn Sie diesen Punkt erst zwei bis drei Sekunden später erreichen, stimmt der Abstand. Sind Sie schneller an dem Punkt, ist dies ein Indiz für zu dichtes Auffahren.
  • Innerhalb geschlossener Ortschaften bestimmen Sie den Mindestabstand zum Auto vor Ihnen mit einer weiteren Faustregel. Der Sicherheitsabstand sollte 15 Meter nicht unterschreiten. Das sind grob drei PKW-Längen. Bei schlechten Verkehrsbedingungen z. B. schlechter Sicht oder schlechtem Wetter sollte der Abstand auf sechs PKW-Längen, also 30 Meter, ausgeweitet werden.
Der Mindestabstand sollte auf der Autobahn unbedingt eingehalten werden. Bei den hohen Geschwindigkeiten enden Unfälle häufig tödlich.

Der Mindestabstand sollte auf der Autobahn unbedingt eingehalten werden. Bei den hohen Geschwindigkeiten enden Unfälle häufig tödlich.

Viele Autofahrer benötigen heute diese Faustformeln nicht mehr. Häufig sind in modernen Fahrzeugen sogenannte Assistenzsysteme verbaut, die Alarm schlagen, sollte der Sicherheitsabstand unterschritten werden. Einige Systeme leiten sogar Notbremsungen ein, wenn dies notwendig ist. Solche bremsunterstützenden Systeme sind bereits seit 2013 für LKW Pflicht.

Ob eine solche Pflicht noch für PKW eingeführt wird, bleibt abzuwarten. Sicher scheint jedoch, dass mit der zunehmenden Digitalisierung und Entwicklung autonomer Fahrzeuge die Frage nach dem korrekten Abstand immer häufiger technisch beantwortet wird.

Bußgelder bei Abstandsverstößen mit PKW und Kraftrad

Wer den im Verkehrsrecht festgelegten Abstand nicht einhält, riskiert empfindliche Sanktionen. Das Strafmaß ist entsprechend der Geschwindigkeit und dem Abstand zum Vordermann gestaffelt. Je höher die Geschwindigkeit und je geringer der Sicherheitsabstand, desto höher die Strafe.

Folgende Staffelung wird beim Strafmaß angewendet:

Abstand beträgt weniger als:

  • 5/10 des halben Tachowertes
  • 4/10 des halben Tachowertes
  • 3/10 des halben Tachowertes
  • 2/10 des halben Tachowertes
  • 1/10 des halben Tachowertes

Bei Geschwindigkeiten unter 80 km/h beträgt das Bußgeld bei unterschrittenem Abstand 25 Euro mit Gefährdung 30 Euro und mit Sachbeschädigung 35 Euro. Über 80 km/h müssen Fahrer, die einen Abstandsverstoß begehen mit einem Punkt und einem Bußgeld von 75 bis 320 Euro rechnen. Dabei ist entscheidend, wie nah aufgefahren wird.

Ab einer Geschwindigkeit über 100 km/h und einem Abstand geringer als 3/10 des halben Tachowertes müssen Fahrer mit zwei Punkten und einem Fahrverbot von einem Monat rechnen. Bei 1/10 des halben Tachowertes müssen Sie den Führerschein für drei Monate abgeben. Über 130 km/h ist laut Bußgeldtabelle neben dem Fahrverbot und zwei Punkten für einen stark unterschrittenen Abstand ein horrendes Bußgeld von 400 Euro vorgesehen. Es kann also teuer werden, wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten wird.

Bußgeldtabelle Abstand

TatbestandBußgeldPunkteFahrverbot
Abstandsverstoß bei weniger als 80 km/h25 €
...mit Gefährdung30 €
...mit Sachbeschädigung35 €
Abstandsverstoß mit mehr als 80 km/h
...Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes75 €1
...Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes100 €1
...Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes160 €1
...Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes240 €1
...Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes320 €1
Abstandsverstoß mit mehr als 100 km/h
...Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes75 €1
...Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes100 €1
...Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes160 €21 Monat
...Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes240 €22 Monate
...Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes320 €23 Monate
Abstandverstoß mit mehr als 130 km/h
... Abstand weniger als 5/10 des halben Tachowertes100 €1
...Abstand weniger als 4/10 des halben Tachowertes180 €1
...Abstand weniger als 3/10 des halben Tachowertes240 €21 Monat
...Abstand weniger als 2/10 des halben Tachowertes320 €22 Monate
...Abstand weniger als 1/10 des halben Tachowertes400 €23 Monate

Bußgelder bei Abstandsverstößen mit LKW und Omnibus

Der Abstand bei einem LKW ist größer als beim PKW. Das große Gewicht verlängert den Bremsweg.

Der Abstand bei einem LKW ist größer als beim PKW. Das große Gewicht verlängert den Bremsweg.

Beim Fahren von LKW oder Omnibus ist das Einhalten des vorgeschriebenen Abstands besonders wichtig.

Die schweren Fahrzeuge dürfen zwar nicht so hohe Geschwindigkeiten erreichen wie PKW oder Krafträder, allerdings verlängert ihr Gewicht den Bremsweg um ein Vielfaches. Kollisionen enden häufig tödlich. Daher sieht der Bußgeldkatalog zum Thema „Abstand“ auch für LKW und Omnibus entsprechende Strafen vor.

LKW müssen einen größeren Sicherheitsabstand wahren. Die Faustformeln für PKW gelten für sie nur bedingt. Ab einer Geschwindigkeit über 50 km/h auf der Autobahn müssen LKW einen Abstand von 50 Meter einhalten.

Im § 4 Abs. 3 StVO heißt es:

Wer einen Lastkraftwagen mit einer zulässigen Gesamtmasse über 3,5 t oder einen Kraftomnibus führt, muss auf Autobahnen, wenn die Geschwindigkeit mehr als 50 km/h beträgt, zu vorausfahrenden Fahrzeugen einen Mindestabstand von 50 m einhalten.

Wird der Mindestabstand von 50 Metern auf der Autobahn unterschritten, müssen Bus- bzw. LKW-Fahrer mit einem Bußgeld von 80 Euro und einen Punkt rechnen. Ein Fahrverbot wird nicht verhängt. Das Bußgeld erhöht sich auf 120 Euro, wenn während des Abstandsverstoßes im Bus Fahrgäste waren oder der LKW Gefahrgut geladen hatte.

Abstandsmessung

Bevor ein Abstandverstoß geahndet und ein Bußgeldbescheid überhaupt versendet werden kann, muss die Unterschreitung des Mindestabstands zunächst nachgewiesen werden. Dazu gibt es in Deutschland drei Methoden.

  • Optische Abstandsmessung bzw. Laserentfernungsmessung (Laserpistole)
  • Abstandsmessung mittels mobiler Videoüberwachung (hauptsächlich auf Bundesaustobahnen)
  • Abstandsmessung mit stationärer Videoüberwachung (Brückenmessverfahren)

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