Überholen im Überholverbot: Wann gibt es ein Fahrverbot?

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Wann besteht überhaupt ein Überholverbot?

Rechts überholen kann in einigen Situationen erlaubt sein.

Rechts überholen kann in einigen Situationen erlaubt sein.

Natürlich will jeder so schnell an das Ziel wie möglich. Bremsend wirken in der Regel nur die maximale Motorleistung des eigenen Fahrzeugs, Geschwindigkeitsbegrenzungen und andere Verkehrsteilnehmer.

Insbesondere langsamere Fahrzeuge wie Traktoren, LKW, Roller oder Fahrräder halten den nachfolgenden Verkehr auf. Gäbe es ein generelles Überholverbot auf deutschen Straßen, müssten sich alle Verkehrsteilnehmer nach dem Langsamsten richten.

Damit das nicht so ist und jeder mit optimaler Geschwindigkeit vorankommen kann, besteht in der Regel die Möglichkeit, zu überholen. Der Überholvorgang ist allerdings ein risikoreiches Manöver, denn kurzzeitig muss die sichere Fahrspur verlassen werden.

Entgegenkommende oder schnellere Fahrzeuge, welche auf der Autobahn von hinten kommen, können zum Problem werden. Wird der Überholweg nicht richtig berechnet oder sollte der Überholvorgang zu lange dauern, kann es zur Behinderung oder Gefährdung kommen. Auch wenn andere Verkehrsteilnehmer nicht rechtzeitig erkannt oder deren Geschwindigkeit falsch eingeschätzt wird, besteht das Risiko eines Unfalls.

Damit die Verkehrssicherheit weitgehend gewahrt bleibt, gibt es in Deutschland auch Straßenabschnitte und Situationen, bei denen ein Überholen durch den Gesetzgeber untersagt ist. Im § 5 der Straßenverkehrsordnung (StVO) sind die Regeln vom Überholen und vom Überholverbot beschrieben.

Folgende Regeln gelten:

  • Es muss links überholt werden.
  • Der Gegenverkehr darf durch den Überholvorgang nicht behindert werden.
  • Der Überholende benötigt eine wesentlich höhere Geschwindigkeit als der Überholte.
  • Beim Ausscheren darf der rückwärtige Verkehr nicht gefährdet werden.
  • Ein ausreichender Seitenabstand muss gewahrt bleiben.
  • Nach dem Überholen müssen sich Fahrzeuge alsbald wieder rechts einordnen.
  • Beim Einscheren darf das überholte Fahrzeug nicht behindert werden.
  • Blinker müssen vor und während dem Aus- und Einscheren verwendet werden.
  • Außerhalb geschlossener Ortschaften darf der Überholvorgang mit Schall- und Lichtzeichen angekündigt werden.
  • Während des Überholens darf der Überholte nicht beschleunigen.

Ein Überholverberbot ist gegeben, wenn:

  • die Verkehrslage unklar ist.
  • ein Verkehrszeichen (Zeichen 276, 277) das Überholen untersagt.
  • ein LKW-Fahrer durch Schnee, Nebel oder Regen eine Sichtweite unter 50 Meter hat.

Welcher Abstand muss beim Überholvorgang eingehalten werden?

Kraftfahrzeuge müssen zum Verkehrsteilnehmer, der überholt wird, einen Mindestabstand einhalten. Bei einspurigen Fahrzeugen wie Kraft- oder Fahrrädern sind das 1,5 Meter, bei mehrspurigen wie Autos oder LKW sind das wenigstens 1 Meter.

Gerade bei Fahrrädern ist es wichtig, auf Distanz zu bleiben. Nicht selten erschrecken sich Radler, wenn ein Fahrzeug ihnen auf die Pelle rückt. Durch hektische und schreckhafte Bewegen kommt es nicht selten zum Unfall.

Verkehrszeichen für ein Überholverbot

Das Verkehrszeichen "Überholverbot" gilt für alle Kfz.

Das Verkehrszeichen „Überholverbot“ gilt für alle Kfz.

Ein Überholverbot wird in der Regel durch das Vorschriftzeichen 276 bzw. 277 angezeigt. Sobald das Zeichen passiert wurde, ist das Überholen strengstens verboten. Wer dennoch überholt, riskiert ein Bußgeld von 70 Euro und einen Punkt in Flensburg.

Das Zeichen 276 erklärt ein Überholverbot für alle Fahrzeuge. Mehrspurige Fahrzeuge wie PKW und Motorräder mit Beiwagen dürfen nicht überholt werden. An einspurigen Fahrzeugen wie Fahrrädern, Krafträdern ohne Beiwagen sowie Straßenbahnen darf vorbeigefahren werden.

Das Verkehrszeichen wird von den Behörden nur dort aufgestellt, wo ein hohes Unfallrisiko durch Überholen besteht. Außerhalb geschlossener Ortschaften wird es beidseitig angebracht. In der Regel tritt das Überholverbot in Kombination mit dem Zeichen 295, der durchgezogenen Linie, welche nicht überfahren werden darf, auf.

Die Bedeutung des Vorschriftzeichens 276 kann durch Zusatzschilder weiter präzisiert werden. So kann beispielsweise die Strecke, in der das Überholverbot gilt, festgelegt werden oder das Verbot auf alle Fahrzeuge über 7,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse begrenzt werden.

Das Überholverbot gemäß dem Schild 277 gilt nur für Fahrzeuge bzw. Fahrzeugkombinationen über 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse. Es richtet sich allerdings nicht an PKW und Kraftomnibusse. Mehrspurige Fahrzeuge dürfen dann nicht überholt werden. Auch hier kann ein Zusatzschild das Überholverbot für LKW näher erläutern.

Die durchgezogene Line

Ist die mittlere Fahrstreifenbegrenzung durch eine durchgezogene Linie gekennzeichnet, gilt stets ein Überholverbot. Diese darf gemäß StVO nicht überfahren werden. Die Linie teilt die Fahrbahn in mehrere Fahrstreifen und trennt somit den Gegenverkehr ab.

In Deutschland gib es sie in der Verwendung als Einzel- und als Doppellinie. Anders als bei der unterbrochenen Mittellinie, der sogenannten Leitlinie, darf die durchgezogene Linie unter keinen Umständen überfahren werden.

Überfährt ein Kraftfahrer die durchgezogene Linie und hält sich nicht an das Überholverbot, können ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro sowie ein Punkt vergeben werden. Kam es zur Gefährdung bzw. zu einer Sachbeschädigung ist ein Fahrverbot von einem Monat möglich.

Rechts überholen – ist das erlaubt?

Bei schlechter Sicht kann ein Überholverbot gelten.

Bei schlechter Sicht kann ein Überholverbot gelten.

In Deutschland gilt das Überholen auf der linken Seite als Vorschrift. Verstößt jemand gegen diese Regel, muss er mit einer Buße gemäß Bußgeldkatalog rechnen.

Rechts überholen ist aber nicht immer verboten. Es gibt Ausnahmen. Innerorts darf man rechts überholen, wenn Pfeile auf nebeneinander liegenden Fahrstreifen in verschiedene Richtungen weisen.

Auch im Bereich vor Ampeln oder bei mindestens zwei markierten Fahrstreifen für eine Fahrtrichtung ist das rechtsseitige Überholen zulässig. Im letzteren Fall ist die Voraussetzung, dass das zulässige Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen nicht überschritten wird.

Linksabbieger, welche sich mittig eingeordnet haben, müssen generell rechts überholt werden. Auf Autobahnen und Kraftfahrtstraßen ist es erlaubt, dass Abbieger rechts überholen dürfen, wenn die abgehenden Fahrstreifen durch eine breite Leitlinie getrennt sind.

Es gibt also Fälle ohne Bußgeld, in denen rechts überholen erlaubt ist. Wer allerdings außerorts verbotswidrig rechts überholt muss mit einem Bußgeld von 100 Euro sowie einem Punkt in Flensburg rechnen. Innerorts bleibt es allerdings bei einem Verwarnungsgeld von 30 Euro.

Ich wurde beim Überholen geblitzt.

Viele Kraftfahrer, die während des Überholvorgangs geblitzt worden sind, fragen sich, ob ein Bußgeldbescheid die Folge sein kann. Immerhin könnte der Blitz ja auch dem überholten Fahrzeug gegolten haben. Moderne Radar- und Lasergeräte können allerdings unterscheiden, welches Fahrzeug den Geschwindigkeitsverstoß ausgelöst hat.

Es gibt sogar Geräte die gleichzeitig mehrere Spuren überwachen können. Ein Bußgeldbescheid ist also wahrscheinlich. Daher ist es so wichtig, auch darauf zu achten, dass die Höchstgeschwindigkeit während des Überholvorgangs nicht überschritten wird.

Fahrverbot für Fehler beim Überholen

Es gibt ein LKW-Überholverbot.

Es gibt ein LKW-Überholverbot.

Das Überholen im Überholverbot ist für LKW, PKW und andere Verkehrsteilnehmer stets höchst risikoreich, weshalb die Behörden hier besonders streng agieren.

Deshalb gilt: Wer gegen ein Überholverbot verstößt und dabei andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, muss mit einem Fahrverbot von einem Monat rechnen. Gleiches gilt für eine Sachbeschädigung infolge eines solchen Überholmanövers.

Ein solches Überholverbot wird angezeigt durch:

  • Zeichen 276 (Überholverbot für alle Kfz)
  • Zeichen 277 (LKW-Überholverbot)
  • Zeichen 295 (Durchgezogene Linie)
  • Zeichen 296 (Kombination aus durchgezogener Linie und unterbrochener Linie)
  • Bei unklaren Verhältnissen auch Zeichen 297 (Pfeilmarkierungen)

In besonders schweren Fällen kann es sich sogar um eine Gefährdung des Straßenverkehrs gemäß § 315c handeln. Dann kann eine hohe Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren folgen.

Im § 315c Abs. 1 Nr. 2b heißt es:

Wer im Straßenverkehr grob verkehrswidrig und rücksichtslos falsch überholt oder sonst bei Überholvorgängen falsch fährt, und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Bußgeldkatalog: Überholen im Überholverbot

TatbestandBußgeldPunkteFahrverbot
Als langsames Fahrzeug anderen das Überholen nicht ermöglicht10 €
Nach dem Überholen nicht sofort wieder eingeordnet10 €
Überholen, obwohl der Überholte blinkte, um sich einzuordnen25 €
Tempo erhöht während des Überholtwerdens30 €
Überholen mit zu wenig Seitenabstand30 €
Innerorts rechts überholen30 €
... mit Sachbeschädigung35 €
Überholen trotz Überholverbot70 €1
Überholen am Fußgängerüberweg oder den Vorrang der Fußgänger missachtet80 €1
Zum Überholen ausgeschert und Nachfolgende gefährdet80 €1
Überholen, ohne wesentlich schneller zu sein80 €1
Außerorts rechts überholen100 €1
Überholen bei unklarer Verkehrslage100 €1
Überholen bei unklarer Verkehrslage und Überholverbot150 €1
... mit Gefährdung250 €21 Monat & je nach Tatbegehung Geldstrafe, Führerscheinentzug und Freiheitsstrafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich
... mit Sachbeschädigung300 €21 Monat & je nach Tatbegehung Geldstrafe, Führerscheinentzug und Freiheitsstrafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich
Vebotswidrig beim Überholen über die Fahrstreifenbegrenzung gefahren, obwohl eine Behinderung des Gegenverkehrs nicht ausgeschlossen werden konnte, da die Strecke nicht eingesehen werden konnte/ die Verkehrslage unklar war1501
... mit Gefährdung25021 Monat & je nach Tatbegehung Geldstrafe, Führerscheinentzug und Freiheitsstrafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich
... mit Sachbeschädigung30021 Monat & je nach Tatbegehung Geldstrafe, Führerscheinentzug und Freiheitsstrafe bis 5 Jahre gemäß § 315c StGB möglich

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