Diesel-Fahrverbot 2017: Ein schlechtes Jahr für den Diesel-Motor?

Die Diskussion um das Diesel-Fahrverbot in Deutschland

Kommt das Diesel-Fahrverbot 2017?

Kommt das Diesel-Fahrverbot 2017?

Das Jahr 2016 war geprägt von der Diskussion über ein Fahrverbot für Dieselautos. Lange Zeit galten Motoren, die Dieselöl verwenden, als Nonplusultra in der Fahrzeugbranche. Der Kraftstoff ist günstiger als Benzin und der Verbrauch der Selbstzünder lag lange Zeit weit unter dem der Benziner. Trotz hoher Steuern blieb ein Dieselfahrzeug so rentabler.

Stück für Stück schmelzen die Vorteile der Dieselautos aber weg. Benziner werden immer sparsamer, wodurch das Spritpreisargument auch weniger zieht.

Gravierender ist allerdings die Diskussion über die Umweltverschmutzung durch Dieselmotoren.  In vielen Städten und Kommunen werden die EU-Grenzwerte für die gefährlichen Stickoxide überschritten – Experten geben die Schuld den Dieselautos – ein Fahrverbot wird gefordert.

Angeheizt wird das Thema zudem durch den VW-Abgasskandal, welcher seit September 2015 Dieselfahrzeugen ein schlechtes Prestige beschert. Der Automobilkonzern hatte gezielt eine illegale Software in den Fahrzeugen verbaut, um bessere Werte bei Abgasnormen umgehen zu können.

Nun scheint ein Vorgang ins Rollen gekommen zu sein, der dazu führen wird, dass in einigen Jahren Dieselautos genau wie der Erfinder des Motortyps, Rudolf Diesel, nur noch Teil der Geschichte sind. Technologien wie die Elektromobilität scheinen heute weitaus zukunftsträchtiger zu sein.

Im folgenden Ratgeber informieren wir Sie darüber, warum ein Fahrverbot für mit Diesel betriebene Fahrzeuge angestrebt wird und ab wann es gelten wird. Außerdem gehen wir noch auf das Konzept der blauen Plakette ein.

Gründe für das Fahrverbot für Diesel-Kfz

Die Diskussion um das Diesel-Fahrverbot hat eine Ursache im VW-Abgasskandal.

Die Diskussion um das Diesel-Fahrverbot hat eine Ursache im VW-Abgasskandal.

Zunächst ist festzuhalten, dass es noch kein für Dieselfahrzeuge geltendes Fahrverbot gibt. Dennoch erscheint eine Einführung sehr wahrscheinlich, immerhin gerät politisch viel ins Wanken, was die Position der Diesel-Befürworter schwächt.

Die Diskussion um das Diesel-Fahrverbot findet vor dem Hintergrund der Überschreitung der EU-Grenzwerte für Stickoxide statt. Laut Umweltbundesamt wird das Höchstmaß für das Gas Stickstoffdioxid (NO2) an vielen verkehrsreichen Straßen häufig übertreten.

Das Problem ist sogar dermaßen gravierend, dass sich die EU-Kommission dazu genötigt fühlte, gegen Deutschland ein Verfahren zu eröffnen.

Umweltorganisatoren weisen regelmäßig auf die hohe Belastung durch die Abgase für Mensch, Tier und Natur hin. Nicht selten treten diese offensiv für Diesel-Fahrverbote ein. Insbesondere die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat den Kampf gegen Diesel und NO2 aufgenommen. In mehreren Gerichtsverhandlungen klagte die Umweltorganisation erfolgreich gegen Bundesländer und Städte mit dem Ziel, die Einhaltung der EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid durchzusetzen.

Wegweisend war auch das Urteil des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts, welches das Land Nordrhein-Westphalen dazu verpflichtet, die EU-Grenzwerte in Düsseldorf so schnell wie möglich einzuhalten. Dazu muss der Luftreinhalteplan für die Stadt Düsseldorf angepasst werden. In der Folge könnte es in der Landeshauptstadt von NRW wohl bald ein Diesel-Fahrverbot geben. Immerhin hat das Gericht gefordert, die Möglichkeit der Einführung zu prüfen.

Auch in diesem Städten wäre ein Diesel-Fahrverbot nötig

Folgende fünfzehn Städte in Deutschland hatten 2015 die höchste NO2-Belastung:

  • Stuttgart 87 µg/m³
  • München 84 µg/m³
  • Reutlingen 70 µg/m³
  • Köln 66 µg/m³
  • Heilbronn 64 µg/m³
  • Kiel 64 µg/m³
  • Hamburg 63 µg/m³
  • Limburg 63 µg/m³
  • Darmstadt 61 µg/m³
  • Düren 61 µg/m³
  • Düsseldorf 59 µg/m³
  • Ludwigsburg 58 µg/m³
  • Hannover 57 µg/m³
  • Mainz 57 µg/m³
  • Freiburg 56 µg/m³

Blaue Plakette: Fahrverbot für Dieselfahrzeuge

Blaue Plakette: Das Fahrverbot für Diesel unter Euro 6 wurde zunächst gestoppt.

Blaue Plakette: Das Fahrverbot für Diesel unter Euro 6 wurde zunächst gestoppt.

In der Diskussion um das deutsche Diesel-Fahrverbot ist besonders die „blaue Plakette“ zu einem Kampfbegriff geworden. Die Einführung hätte eine ähnliche Wirkung wie das Sonntagsfahrverbot.

Die Idee hinter  der Plakette ist es, in Ballungszentren und Städten Zonen zu errichten, in welche nur Autos einfahren dürfen, die einen geringen Schadstoff-Ausstoß haben. Entsprechend würden solche Fahrzeuge eine blaue Plakette erhalten.

Ein vergleichbares System wurde bereits mit den Umweltzonen erprobt und ist geltendes Gesetz. Die blauen Umweltzonen, welche die Kommunen nach eigenem Ermessen errichten könnten, gehen aber viel weiter. Erlaubt wären nur noch Autos, welche weniger als 80 mg/km Stickstoffoxid ausstoßen. Das trifft gegenwärtig auf ca. eine halbe Million Diesel-PKW bzw. -LKW, welche die Euro 6-Norm erfüllen zu.

Im Umkehrschluss würde dies für ein Auto mit der Klasse Euro 4/5 ein Diesel-Fahrverbot bedeuten. Insgesamt wären nach heutigem Stand rund 13 Millionen ältere Dieselfahrzeuge nicht dazu berechtigt, in eine blaue Zone einzufahren. Die meisten Benziner erfüllen dagegen bereits heute die Voraussetzungen für die blaue Plakette, wenn sie nicht zu den Direkteinspritzern gehören.

Obwohl das Konzept der blauen Plakette für viele Experten, Politiker sowie Umweltverbände geeignet scheint, das Stickstoffoxid-Problem in Deutschland in den Griff zu bekommen, wurde der Gesetzesvorschlag in der zweiten Hälfte von 2016 vom Bundesverkehrsministerium gestoppt.

Entsprechend gibt es heute noch keine einheitliche Regelung, die ein Fahrverbot für Diesel-Kfz mit Euro 5 oder weniger ermöglichen. Handlungsbedarf aufgrund der Überschreitung der EU-Grenzwerte besteht aber weiterhin. Gegenwärtig wird nach Alternativen zur blauen Plakette gesucht. Berlin versucht beispielsweise mit schadstoffarmen Linienverkehr (z. B. Busse und Taxen) sowie Behördenfahrzeugen das Stickstoffoxid zu verringern.

Diskutiert werden auch zeitweise Fahrverbote, um die Zahl der Autos auf den Straßen zu verringern. Denkbar wäre ein Modell, welches in Südamerika und Paris praktiziert wird. Dort dürfen an geraden Datumstagen nur Fahrzeuge mit geraden Endziffern auf dem Kennzeichen und an ungeraden Tagen Autos mit ungeraden Ziffern  in bestimmte Zonen einfahren.

Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Förderung der Elektromobilität. Dieses Vorhaben hilft aber in der akuten Situation nur wenig. Sinnvoller wäre dann schon eher eine City-Maut, aber auch diese scheint noch nicht in Sicht zu sein.

Fahrverbot für Dieselautos: Welche Schadstoffklassen wären betroffen?

Beim Konzept der blauen Plakette gilt das Diesel-Fahrverbot nicht für Euro-6-Fahrzeuge. Alle anderen Dieselautos müssen allerdings draußen bleiben.

Benziner, die keine Direkteinspritzer sind, erfüllen in der Regel schon jetzt die Voraussetzungen für eine blaue Plakette. Die Diesel-Fahrverbote betreffen sie also nicht.

Diesel-Fahrverbot: Städte und Gerichte müssen entscheiden

Das Fahrverbot würde für die meisten Dieselfahrzeuge gelten.

Das Fahrverbot würde für die meisten Dieselfahrzeuge gelten.

Mit dem Stopp des Gesetzesvorschlags für die blaue Plakette bei Autos hat es das Verkehrsministerium versäumt, eine bundeseinheitliche Regelung bezüglich der Fahrverbote auf den Weg zu bringen.

Da von der Politik keine Strategie vorgelegt wird, müssen die Kommunen nun versuchen, auf Basis vom bestehenden Recht eine Lösung für das Stickoxid-Problem zu finden.

Reines Aussitzen ist allerdings nicht möglich. Viele Städte geraten mehr und mehr unter Handlungsdruck, weil diverse Umweltorganisationen juristisch gegen die Überschreitung der EU-Grenzwerte vorgehen. Die Verfahren werden in der Regel durch die Vereine gewonnen. Aber auch die EU macht Druck. Werden zukünftig die Grenzwerte nicht eingehalten, können hohe Strafzahlungen gefordert werden.

Alles in allem scheint 2017 kein gutes Jahr für Autos mit Dieselantrieb zu werden. Die Einführung vom Diesel-Fahrverbot ist anscheinend nur eine Frage der Zeit.

3 Gedanken zu „Diesel-Fahrverbot 2017: Ein schlechtes Jahr für den Diesel-Motor?

  1. Guten Tag, immer und immer wieder bläst uns aus Brüssel ein kalter Wind ins Gesicht.
    Ist Deutschland nicht in der Lage selber zu entscheiden was Sache ist?
    Diese ewigen Bevormundungen beobachte ich schon seit längern.
    Es wundert mich nicht das andere Länder aus der EU rauswollen.

    mfG

    Gerl

  2. Hallo,
    mann sollte erst mal an die alten Ölheizungen gehen die verursachen mehr Verschmutzungen wie Autos da weißt keiner drauf hin .

  3. Dass der Diesel Geschichte sein soll, kann nur unter Verdrehung der Tatsachen gefordert werden. Denn kein Elektroauto wird einem warmgelaufenen Dieselmotor auf der Langstrecke in der Ökobilanz das Wasser reichen. In der Stadt gibt es eine Berechtigung für E-Autos. Sollen also in Zukunft viele 2 Autos haben? Denn nur Benziner oder nur E-Autos wären eine dumme ökologische Forderung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.